Birte und Herwart Jess leben ihren Traum: Quasi aus dem Nichts eröffnete das Ehepaar 2008 in Mülheim-Saarn ein Optiker-Fachgeschäft für anspruchsvolle Kunden. Und ist heute dank eines klaren Konzepts die renommierteste Adresse der Stadt, wenn es um stylischen Look und exklusive Brillen geht. Eine Erfolgsgeschichte mit Ansage und ohne Kompromisse.

 

Der Stadtteil Saarn in Mülheim entspricht für Außenstehende so gar nicht den gängigen Ruhrpott-Klischees. Geprägt durch lebendigen Einzelhandel, internationale Gastronomie, aber auch durch exklusive Schmuck- und Mode-Angebote weht anstatt von Malocher-Charme ein Hauch von Düsseldorfer Königsallee durch das gepflegte Ortszentrum. Hier, genauer gesagt an der Düsseldorfer Straße 83, setzte das Augenoptiker-Ehepaar Birte (59) und Herwart (61) Jess 2008 alles auf eine Karte: Sie kündigten ihre Jobs bei einem Optiker und gründeten mit Ersparnissen und Unterstützung durch die Marketing- und Einkaufsgesellschaft Optics Network das eigene Fachgeschäft: „die optiker. Jess + Jess“. Neben dem finanziellen Wagnis kamen weitere Herausforderungen hinzu. „Wir hatten keinen Namen, keine Kontakte, keine Kunden – nix“, erinnert sich Herwart Jess im Gespräch. 

 

Doch was das Ehepaar hatte, war ein genauer Plan. Ein schicker Laden für anspruchsvolle Kunden mit einem Faible für das Ausgefallene. Ein Gegenentwurf zu dem wettbewerbsintensiven und kleinteiligen Geschäftsmodell, das die beiden aus ihrer Angestelltenzeit kannten. Also zeigten sie direkt klare Kante: „Wir wollten über exklusive Brillen, aber auf keinen Fall über den Preis kommen. Also: Kontaktlinsen raus, Handelsware raus, Werkstatt raus. Natürlich kriegen sie bei uns auch eine Lesebrille – aber die fängt dann für ein Porsche Design Modell bei 169 Euro an“, so der hoch gewachsene Herwart Jess. 

 

Hohe Qualität 

 

Zum Start setzten Jess und Jess auf Werbung total. Birte Jess: „Wir haben geworben, wo wir nur konnten. Schließlich sollten  die Leute ja möglichst schnell wissen, dass es uns gibt“. Die Investitionen lohnten sich, das Premium-Konzept ging voll auf. Schon nach wenigen Monaten war in Saarn an Jess und Jess kein Vorbeikommen mehr. Endlich war da ein Optiker, der mit seinem Auftritt auch anspruchsvolle Kunden abholte. Eine Klientel, die gute Preise zahlt, wenn die Qualität stimmt. Für Herwart Jess ein ganz entscheidender Punkt. Denn die ständigen Rabattschlachten in der Optiker-Branche sind ihm ein Graus: „Heutzutage wird nur über die Preise nachgedacht. Erst wird gefragt: Wie teuer ist die Brille? Dann: Was brauche ich überhaupt? Darauf hatte und habe ich keine Lust“, so Herwart Jess deutlich.

 

Gemeinsam mit seiner Frau verfolgt er eine andere Philosophie. Im ersten Schritt schaue man welches Produkt dem Kunden gefalle, erst viel später gehe es um den Preis.

 

 

Mit jeder Faser Premium leben

 

Damit möglichst viele Kunden anbeißen, lassen sich Birte und Herwart Jess nicht lumpen: Das schmale, fein eingerichtete Ladenlokal lädt mit bequemen Sesseln sowie einem großen dunklen Holztisch in der Mitte zum Verweilen ein. Auf Wunsch werden den Gästen in feinem Porzellan unterschiedliche Kaffeespezialitäten gereicht. Zuweilen fährt das Ehepaar auch Champagner und leckeres Fingerfood auf, um seine Kundschaft zu verwöhnen. Die exklusiven Hausmessen für Kunden des Hauses und deren Freunde genießen nicht zuletzt aufgrund der kulinarischen Köstlichkeiten Kultstatus. Kurzum: Der eigene Premium-Anspruch wird von Birte und Herwart Jess mit jeder Faser gelebt. 

 

Neben hochqualitativen Brillen in Top-Design ist vor allem die intensive und persönliche Beratung zentraler Pfeiler des Jess-Konzepts. Egal ob Konzern-Erbin, Geschäftsmann oder Metzger-Meister – stets geht es entspannt und locker zu, stets findet das Ehepaar den richtigen Ton und Zungenschlag. Wer einmal selbst erlebt, mit welch seltener Mischung aus Authentizität, Selbstbewusstsein und Dienstleistungsbereitschaft das Ehepaar seine Kunden umgarnt, wundert sich nicht, warum manche Kunden teilweise lange Autofahrten für eine neue Brille in Kauf nehmen. 

 

Fokus auf Fashion

 

Das besondere Engagement hängt nicht zuletzt mit der Leidenschaft für die eigenen Produkte zusammen: „Unsere Idee  ist, dass wir unser Portfolio immer zu mindestens 80 Prozent aus Modellen zusammensetzen, die wir selber gerne aufsetzen würden. Dann können wir auch anders hinter den Produkten stehen und diesen Lifestyle, der uns ausmacht, glaubhaft verkörpern“, erklärt Birte Jess. Der Fokus des lebenslustigen Ehepaars liegt dabei ganz klar auf Fashion: „Die Brille ist Fashion. Wer die Brille als Schmuckelement versteht, sie als Teil seines eigenen Lebensstils begreift, der kommt zu uns.“ Tatsächlich profitiert das Geschäft Jess + Jess von den zahlreichen Lustkäufen seiner Kundschaft, die immer wieder nach neuen optischen Highlights verlangt. Mittlerweile hat das Paar seinen Ruf so in der Region verankert, dass sich auch fremde Menschen auf der Straße ansprechen: „Ihre Brille – die ist doch von Jess + Jess, oder? 

 

Wer auf so eine Weise Gesprächsthema ist, macht meistens einen guten Schnitt. Das Mülheimer Optiker-Ehepaar bildet da keine Ausnahme. Zwar will sich der  ehemalige Kampfsportler – Herwart Jess praktizierte jahrelang Jiu-Jitsu – nicht genau in die Karten schauen lassen, deutet aber vielsagend an: „Wir verkaufen sehr hochpreisig, der Durchschnitts-Bon ist im Vergleich zu herkömmlichen Optikergeschäften sehr hoch.“ Ein ähnliches Konzept ließe sich sonst wohl nur auf den „In“-Boulevards von Großstädten wie Hamburg, München, Düsseldorf oder Berlin umsetzen. Dass es ausgerechnet in Saarn klappt, ist für die gebürtigen Mülheimer ein großes Glück: „Wir wollten unbedingt in Saarn unseren Laden aufmachen, weil wir sicher waren, genau hier die Menschen finden, die unsere Produkte zu schätzen wissen“, so Birte Jess. 

 

 

„Seit eitel“

 

Die ungewohnt offensive Außendarstellung der Inhaber kommt prima an. Denn auch bei den Themen Werbung und Kommunikation ist bei Jess + Jess vieles anders. Frei nach dem Motto „Gewöhnlich kann jeder“ posiert die Geschäftsführerin auf Fotos auch mal mit gezücktem Fleischermesser. In Anzeigen rufen die beiden ihren Kunden ganz unbescheiden zu: „Seit eitel!“. Und auf der eigenen Internetseite lässt das extrovertierte Paar keine Chance aus, sich humorvoll in Szene zu setzen. Und so wichtig der eigene Internet-Auftritt für die beiden ist, so entspannt sehen Jess + Jess die Konkurrenz aus dem Internet. „Eigentlich ist das keine Konkurrenz“, sagt Birte Jess. „Die Atmosphäre bei uns, der persönliche Kontakt, die Freude beim Kauf, das alles kann kein Internet-Optiker bieten.“

 

Sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen, nicht alles bierernst sehen – das sind wichtige Eisbrecher, von denen Birte und Herwart Jess in Beratungssituationen profitieren. Und manchmal erwachsen aus den professionellen Gesprächen auch ganz andere Dinge. „Nach dreizehn Jahren Jess + Jess in Saarn  können wir mit Stolz sagen, dass aus vielen unserer Kunden Freunde geworden sind“, so Herwart Jess.

 

 

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